Emscher-Auen: Hier kriegt der Fluss die Kurve(n)

0 6 Monaten ago

Emschergenossenschaft arbeitet am Endausbau des Hochwasserrückhaltebeckens. Die Emscher wird in diesem Zuge renaturiert. Ein Teil des alten Verlaufes ist bereits verfüllt worden.

In einem Zwischenzustand befand sich das Hochwasserrückhaltebecken Emscher-Auen, als die Emschergenossenschaft die Anlage 2013 in Betrieb nahm. „Zwischenzustand“ deswegen, weil die Emscher damals noch Abwasser führte und die insgesamt vier Einzelbecken zum Schutz vor dem Schmutz im Trockenwetterfall durch niedrige Dämme von der Emscher getrennt waren. Mittlerweile ist die Emscher ein sauberer Fluss und bietet der Emschergenossenschaft die Möglichkeit, die Trenndämme zu entfernen, den geplanten Endzustand des Hochwasserrückhaltebeckens herzustellen und die Emscher zu renaturieren. Vor knapp einem Jahr erfolgte der erste Spatenstich, heute ist ein Teil des alten Emscher-Bettes bereits verfüllt.

900.000 Kubikmeter Fassungsvolumen besitzen die Emscher-Auen an der Stadtgrenze Castrop-Rauxel/Dortmund. Es ist das größte Hochwasserrückhaltebecken der Emschergenossenschaft, größer sogar noch als der Phoenix See in Dortmund-Hörde (maximal 840.000 Kubikmeter). Nach der Beseitigung der Trenndämme, die seit der Befreiung der Emscher vom Abwasser nicht mehr benötigt werden, bestehen die Emscher-Auen ab spätestens Mitte 2025 aus einem einzigen Becken. Das Fassungsvolumen wird im Endausbauzustand ganze 1,1 Millionen Kubikmeter betragen.

„Konkret entspricht das dem Inhalt von sieben Millionen Badewannen, die im Extremwetterfall in den Emscher-Auen zurückgehalten werden können – ein wichtiger Baustein für die weitere Verbesserung des Hochwasserschutzes an der Emscher“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft. In Zeiten des fortschreitenden Klimawandels und zunehmender Extremwetterereignisse liefert diese Maßnahme einen wesentlichen Beitrag zur Klima-Resilienz der Region.

Der Hochwasserschutz ist seit Gründung der Emschergenossenschaft im Jahr 1899 eine ihrer wesentlichen Aufgaben. „Bei der Umgestaltung der Emscher spielte der Hochwasserschutz eine gewichtige Rolle. Die dabei geschaffenen Rückhalteräume helfen mit, um die immer häufiger zu Trage tretenden Auswirkungen des Klimawandels abzumildern“, sagt Dr. Frank Obenaus, Technischer Vorstand der Emschergenossenschaft. Anders als noch 1991 geplant, entstanden im Zuge des Emscher-Umbaus letztlich bis heute anstatt 4,6 Millionen mehr als fünf Millionen Kubikmeter an zusätzlichem Retentionsraum zur Optimierung des Hochwasserschutzes im Emscher-Gebiet.

Lage des Beckens im Osten der Emscher
In Dortmund und Castrop-Rauxel gelegen, also im Osten der Emscher-Region, erzielt das Becken auch im Westen einen erheblichen Effekt. Denn das Prinzip dabei ist: Was in Quellnähe an Wasser zurückgehalten werden kann, kommt erst gar nicht an der Mündung an – kann dort also nicht für Überflutungen sorgen. Zur Entlastung des Hochwasserrückhaltebeckens Emscher-Auen baut die Emschergenossenschaft darüber hinaus aktuell nur wenige Kilometer östlich das Hochwasserrückhaltebecken Dortmund-Ellinghausen: Es besteht aus mehreren Beckenteilen, die auf beiden Seiten der Ellinghauser Straße gelegen knapp 530.000 Kubikmeter Fassungsvolumen bieten. Die Fertigstellung ist für Frühjahr 2024 vorgesehen.

Aktueller Baufortschritt in den Emscher-Auen
Die Emscher-Auen umfassen eine Fläche von 33 Hektar. Das entspricht der Größe von 46 Fußballfeldern. Ganz aktuell arbeitet die Emschergenossenschaft an der Beseitigung des Trenndammes zwischen den Beckenteilen, die in Fließrichtung betrachtet auf der rechten Seite der Emscher liegen. Bereits erfolgt ist die Umleitung der Emscher hinter der A45-Brücke in das erste, auf der linken Seite des Flusses gelegene Becken. Hier und im weiteren Verlauf der „Emscher-Auen“ – der Name verrät es bereits – wird die Emscher zu einer mäandernden Auenlandschaft umgestaltet. Hier bekommt der Fluss die Kurve(n). Die Zeiten der begradigten Gewässertrasse gehören dann endgültig der Vergangenheit an, so wie es das einst offen in der Emscher fließende Abwasser bereits seit Ende 2021 tut.

Das alte, im Zuge der Umleitung der Emscher abgeklemmte Gewässerbett wird mittlerweile bereits verfüllt. Stellenweise erinnert bereits nichts mehr daran, dass hier und dort einmal der zeitweise dreckigste Fluss Europas geflossen ist. Stattdessen entsteht ein Freiraum, der viel Platz für neues blaugrünes Leben in an und am Wasser ermöglicht. Als Naherholungsgebiet und Freizeitidyll haben die Bürgerinnen und Bürger die Emscher-Auen bereits längst für sich entdeckt.

Die aktuelle Baumaßnahme der Emschergenossenschaft liegt im Zeitplan. Mitte 2025, so der Plan, sollen die letzten Bagger abrücken. Flora und Fauna, aber auch der Mensch, können die Emscher-Auen dann vollständig genießen.

Zahlen und Fakten – auf einen Blick:

900.000
Kubikmeter fassen die Emscher-Auen heute.

1,1 Millionen Kubikmeter Fassungsvolumen sind es nach dem Ausbau.

7 Millionen Badewannen – so viel Wasser kann das Becken später aufnehmen.

33 Hektar groß ist die Fläche des Beckens.

46 Fußballfelder passen dort drauf.

Die Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet und kümmert sich seitdem unter anderem um die Unterhaltung der Emscher, um die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie um den Hochwasserschutz. www.eglv.de

Schreibe einen Kommentar

Dark mode

Ich akzeptieren die AGB und Datenschuzerklärung von MeetLobby.