„Erinnern – Gedenken – Gestalten“: Bedburg weiht Holocaust-Denkmal ein

0 4 Monaten ago
© Stadt Bedburg Das Holocaust-Denkmal steht in Kaster am Parkplatz vor der Tennishalle.
  • Projekt des Silverberg-Gymnasiums unter der Leitung von Ákos Sziráki und Christina Lausberg
  • Förderung vom NRW Landesprogramm Kultur und Schule

Es steht neben Tischtennisplatten und Bänken, der neue Bouleplatz ist nur wenige Meter entfernt: Das am Dienstagnachmittag offiziell eingeweihte Holocaust-Denkmal, das von einer fächerübergreifenden Projektgruppe des Silverberg-Gymnasiums unter der Leitung des Bedburger Künstlers Ákos Sziráki entwickelt und umgesetzt wurde, steht mitten im sozialen Leben Kasters am Parkplatz vor der Tennishalle. Und das ist beabsichtigt: Die Figuren sollen an die Menschen erinnern, die unter der Nazidiktatur aus Bedburg verschleppt und ermordet wurden. Von Seiten der Schule wurde das Projekt von der Geschichtspädagogin und –lehrerin Christina Lausberg begleitet.

„In Deutschland haben in den letzten Wochen, Monaten und Jahren viel zu lange Kräfte wirken können, die zersetzen und zerstören. Menschen, die sich die liberale und offene Struktur einer Demokratie zunutze machen, um sie final von innen zu zerstören. Mit unserem Denkmal setzen wir ein weiteres, deutlich sichtbares Zeichen in unserer Stadt, dass wir – und hier meine ich vor allem die jungen Menschen – auf sehr kreative Art und Weise immer wieder gegen das Vergessen unserer Geschichte angehen. Damit zeigt sich in aller Deutlichkeit: Wir sind mehr!“, so Bürgermeister Sascha Solbach.

Das Denkmal besteht aus fünf Figuren unterschiedlicher Höhe – vier „menschliche“ und eine Friedenstaube – und folgt einer Grundidee, die die historische Vergangenheit mit der heutigen Realität der Bedburgerinnen und Bedburger vereinen sollen. Das Gedenken an die deportierten Juden aus Bedburg, deren Namen auf den vier menschlichen Skulpturen festgehalten sind, bildet hier nur den Ausgangspunkt für den Betrachter.

„Die größte Herausforderung war, all die tollen Ideen von den Schülern, und es gab die wildesten Entwürfe, in eine umsetzbare Version zu transformieren, damit die von den Schülern gewünschte Monumentalität Realität wird. Diese kreative und freie Arbeit mit den jungen Menschen hat mir wirklich viel Spaß gemacht“, berichtet der Bedburger Künstler Ákos Sziráki über das Projekt.

Ein Denkmal als Zeichen für Frieden und Zusammenhalt

Die vier „menschlichen“ Figuren, die als Vater, Mutter, Tochter und Sohn eine Familie bilden, stehen für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Denn die Figuren könnte man lückenlos ineinanderschieben. Ihre Gestalten sind verfremdet und nur in allgemeinen Merkmalen dargestellt, damit sich jede Betrachterin und jeder Betrachter damit identifizieren kann. Die weiblichen und männlichen Figuren sind die jeweils durch weiche bzw. harte Formen gekennzeichnet. Die vier verschiedenen Farben der Figuren repräsentieren dabei die vier Elemente.

Die Skulptur in Taubenform steht für den Frieden zwischen den Menschen. Die Schülerinnen und Schüler haben sich hier bewusst für ein allgemeingültiges Symbol entschieden, das von vielen Menschen verstanden werden kann. Das Denkmal bietet somit eine Gelegenheit, sich der positiven Eigenschaften der Menschen zu vergegenwärtigen, hier beispielsweise Liebe für Freunde und Familie, Zusammenhalt und Hoffnung.

“Wir wünschen uns, dass das Denkmal als Erinnerung an vergangene Ereignisse und gleichzeitig als Ausblick auf eine gemeinsame Zukunft dient. Es soll die Betrachter dazu ermutigen, alle unsere Mitmenschen mit Freundlichkeit und Respekt zu behandeln”, erklärt die Geschichtspädagogin und –lehrerin Christina Lausberg, die das Projekt von Seiten des Silverberg-Gymnasiums betreute.

Der ursprüngliche Platz in der Innenstadt wurde durch den Neubau des Lindenkarrees verworfen. Auf dem Rasenstück an der Stresemannstraße in Kaster wurde ein passender Platz gefunden. Im Frühjahr wird noch eine Gedenktafel eingesetzt, die über das Denkmal, die Geschichte dahinter und seine Entstehung informiert.

Hintergrund und Projektverlauf

Die Grundidee zur Verwirklichung des Denkmals entstand im Rahmen der aktiven Teilnahme an der Erinnerungskultur der Stadt Bedburg durch das Silverberg-Gymnasium. Die Stadt wünschte sich den Bau eines von Schülerinnen und Schülern gestalteten Holocaust-Denkmals. Was als Gedankenspiel begann, konnte durch die Landesförderung „Kultur und Schule“ Realität werden.

Das fächerübergreifende (Kunst und Geschichte) Projekt des Silverberg-Gymnasiums mit dem Titel „Erinnern – Gedenken – Gestalten“ – Planung und Bau eines Holocaust-Denkmals für Bedburg ist im Frühjahr 2016 unter der Leitung des Künstlers Ákos Sziráki (Bedburg) für eine Förderung innerhalb des Landesprogramms ausgewählt worden.

Im Rahmen des Förderprogramms „Kultur und Schule“ des Landes NRW fand am Silverberg-Gymnasium in Bedburg in Zusammenarbeit mit dem Künstler Ákos Sziráki eine wöchentliche Arbeitsgemeinschaft (je 90 Min.) statt. Es nahmen insgesamt zwölf Schülerinnen und Schüler aus den Klassenstufen 8 bis Q2 teil.

Ziel dieser AG war es, unter Anleitung des Künstlers ein Holocaust-Denkmal für die Stadt Bedburg zu planen und schließlich zu bauen. Dabei sollte einerseits an die deportierten und ermordeten Juden Bedburgs erinnert werden und andererseits ein Bogen in die heutige Zeit geschlagen werden, der den Zusammenhalt der Menschen verdeutlicht.

Dabei wurde das Denkmal nach den Ideen der SchülerInnen gestaltet und gebaut. Einige SchülerInnen hatten einen ersten Entwurf für das Denkmal gemacht, der im Laufe der ersten Monate stetig weiterentwickelt wurde. Zunächst entstanden Ton-Modelle und Skizzen. Schließlich entschied sich die Arbeitsgemeinschaft für die Gestaltung von fünf Skulpturen. Diese sollten aus vier „menschlichen“ Mitgliedern einer Familie sowie einer Figur in Taubenform bestehen.

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